Endspieltaktik: Matt mit dem Springer

Beim Chennai Open 2016 ereignete sich in der 10 Runde zwischen Belous – Dzhumaev ein beispielhaftes Finale.

In der folgenden Stellung gab Schwarz auf. Welche Varianten führen zum Erfolg?

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Weiß droht Tg8 Matt. Wenn Schwarz 1..Sc7 spielt, wendet er das Matt auf g8 ab und greift den Läufer auf e6 an. Nun wäre 2. Sxf6 ein Fehler, weil nach 2..Sxe6 das Materialgleichgewicht hergestellt wird und 3. Tg7 mit der Mattdrohung 4. Txh7 ist nicht möglich wegen 3..Sxg7.

Die Lösung des Problems liegt in der eingeschlossenen Stellung des schwarzen Königs. Statt 2. Sxf6 spielt Weiß noch stärker 2. Sxd6 mit der Drohung Sf7 Matt. Um das Schach auf f7 abzuwenden, spielt Schwarz 2..Tf8. Nun folgt das Ablenkungsopfer 3. Tg8+ Txg8 4. Sf7 Matt.

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Ein Finale, das nicht mehr auf dem Brett gespielt wurde. Dennoch bleibt diese Kombination ein Genuss für Schachliebhaber. Belous Vladimir (Rußland) gewann das Chennai Open 2016 mit 8,5 aus 10.

 

Idee und Ausführung

Das folgende Endspiel entstand in der Partie Larrondo – Camacho, Cuba 1979. Schwarz am Zug.

Der Bauer auf der 2 Reihe ist eine ernstzunehmende Bedrohung. Wenn beide Läufer nicht auf dem Brett wären, könnte Schwarz mit dem Manöver 1..Th1 2. Txa2 Th2+ gewinnen. In dieser Stellung blockiert der weiße Läufer die 2 Reihe. Deshalb leitet Schwarz einen Abtausch ein, um die 2 Reihe zu befreien.

a1

1…Lb5! Ein zunächst überraschender Zug. Auf dem Feld b5 ist der Läufer vom Turm und vom Läufer angegriffen. Nach 2. Txb5 3. Tb1 kann Weiß die Umwandlung des Bauern a2 nur mit einem Turmopfer verhindern und Schwarz hat entscheidenden Vorteil.

Nach 2.Lxb5 Kb6 Doppelangriff.

a2

3.Ta8 Kxb5 4.Kc2 Th1 Und nun entscheidet das Manöver auf der 2 Reihe.

5.Txa2 Th2+ 6.Kb1 Txa2 7.Kxa2 Kc4

a3

Schwarz erobert den Bauer d4 und erreicht ein gewonnenes Endspiel. 0-1

 

 

Ein lästiges Detail

Schach spielen kann so faszinierend sein, weil noch jemand da ist, der die eigenen Pläne durchkreuzt. Weiß am Zug muss sich im folgenden Diagramm (Paglilla – Carbone, Argentinien 1985) Gedanken machen, wie er das Matt auf d1 abwendet. Wie würdest Du hier fortsetzen?

d1

1. Da8 Der Turm wird von a8 und d1 angegriffen und gleichzeitig ist noch die schwarze Dame angegriffen. Schwarz verliert nach 1..Dxf6 2 Dxd8 Material.

d2

Deshalb entscheidet sich Schwarz für 1..Txa8 2. fxe7 Weiß droht 3. Td8.

d3

2..Te8 3. Td8 Fesselt erneut den Turm, der den Bauern auf e7 nicht beseitigen kann.

d4

Nach 3..Txd8 4 exd8D wandelt sich der Bauer erfolgreich um. 1-0

Fazit: Eine kleine Kombination leitet Weiß ein, indem er die Mehrfachbelastung des schwarzen Turms ausnutzt. Da8 ermöglicht eine zweifache Drohung Dxd8 und fxe7. Beide Drohungen kann Schwarz nicht abwenden, denn nach dem Abtausch der Damen erreicht der weiße Bauer die siebte Reihe und kann an der Umwandlung nicht mehr verhindert werden. Ein Schlüssel zum Erfolg besteht darin, mit einen Zug zwei Drohungen aufzustellen.

Warum der Durchbruch gelingt

Das Motiv Durchbruch ist das Thema des heutigen Beitrags. Das folgende Diagramm stammt aus der Partie Lund – Nimzowitsch, Oslo 1921. Schwarz am Zug. Welche Merkmale kannst Du feststellen? Wie kann Schwarz Fortschritte erzielen?

d1

In diesem Endspiel spielt Weiß mit zwei Leichtfiguren gegen Turm und zwei Bauern. Die Defensivstrategie von Weiß besteht darin, die Aktivität des Turms einzuschränken und ihm den Zugang zu den ersten zwei Reihen zu verwehren. Schwarz versucht seinerseits die Bauernmajorität am Damenflügel in Bewegung zu setzen.

1..b4 2 axb4 Nachdem sich Schwarz einen potenziellen Freibauer auf der a Linie schaffen kann, beseitigt er die Blockade am Königsflügel und spielt 2..Txh4

d2

3 gxh4 g3

 

d3

Schwarz droht g2, deshalb muss Weiß 4 fxg3 spielen.

Mit dem Qualitätsopfer und anschließenden Bauernopfer erreicht Schwarz, dass der Läufer auf e3 nur vom König gedeckt wird. So wird der Durchbruch auf dem Damenflügel möglich, weil der weiße König die zusätzlichen Aufgaben nicht erfüllen kann.

Nach 4.. c3+ verbietet sich 5 Kxc3, weil der Läufer auf e3 gedeckt werden muss.

d4

Nach 5 bxc3 a3 ist Weiß machtlos gegen die Bauern a-d-f, die schneller als die weißen Bauern das Umwandlungsfeld erreichen. Eine Variante wäre: 6 Kc1 Kxe3 7 h4 f2 oder 6 h4 a2 und Schwarz gewinnt 0-1.

d5

Schlussfolgerung: Eine koordinierte Aktion an beiden Flügeln ermöglichte Schwarz den Durchbruch. Die Gewinnvariante beinhaltete: ein Bauernopfer b4, Qualitätsopfer h4, Bauernopfer g3, Bauernopfer c3. Das geschah mit dem Ziel die Basis des Läufers f2 zu beseitigen, um anschließend einen Fernbauer auf der a Linie zu schaffen. Das Ergebnis dieser Aktion war die Überlastung des weißen Königs, der beide Aufgaben den – a Bauer stoppen und den Läufer auf e3 decken – nicht erfüllen konnte.

Verwertung des positionellen Übergewichts

Thema des heutigen Beitrags ist die Umwandlung des strategischen Vorteils in Materialvorteil.

In der folgenden Stellung aus der Partie Hlousek – Jansa, Luhacovice 1971 ist Schwarz am Zug.

d1

Welche Merkmale kannst Du feststellen? Wie bewertest Du die Stellung?

  • die Stellung ist materiell ausgeglichen
  • Weiß hat vier vereinzelte Bauern, die angegriffen werden können, während Schwarz am Damenflügel eine kompakte Bauernstruktur vorweisen kann
  • die schwarzen Figuren sind aktiver, der Turm auf c5 hat eine Angriffsfunktion und der Springer auf e5 blockiert den Bauer auf e4, der seinerseits die Aktivität des Läufers auf c2 einschränkt

Schwarz ist positionell im Vorteil.

Wie lässt sich dieses positionelle Übergewicht verwerten?

1..Sg6+ 2. Kg4 Erzwungen. Wenn der König auf der dritten Reihe zieht z.B. 2. Kg3 folgt 2..Txc3 und Weiß verliert den Läufer auf c2. Diese Variante offenbart die weißen Probleme auf der dritten Reihe. Deshalb folgt ein Bauernopfer, um die vierte Reihe zu öffnen.

2..f5+

d2

3 exf5 Tc4+

d3

Damit erzwingt Schwarz den Rückzug des weißen Königs auf der dritten Reihe.

4 Kg3 Txc3+

d4

Wenn der weiße König auf der zweiten Reihe zieht, folgt 5..Txc2+ und nach 6..Se5 verbleibt Schwarz mit Materialvorteil. Deshalb folgt 5 Kg4. Aber nach 5..Se5+ kann der weiße König seine Aufgabe nicht mehr erfüllen – die Deckung des Turms auf h3. Deshalb erreicht Schwarz entscheidenden Vorteil 0-1.

d5

Fazit: Schwarz konnte seinen strategischen Vorteil umsetzten, indem er eine präzise Zugfolge wählte. Weiß verteidigte die Schwäche auf c3 mit dem Turm auf der dritten Reihe. Durch die Öffnung der vierten Reihe durch f5 konnte diese Verteidigungsstrategie in Frage gestellt werden. Dazu kam ein zusätzliches Motiv: die Überlastung des Königs, der die Deckung des Turms nicht mehr erfüllen konnte.