Rock your future – Schach in der Werbung

Nach meinem Kurs an der Technischen Hochschule entdeckte ich auf dem Flur des Instituts ein Plakat, das sofort meine Aufmerksamkeit beanspruchte.

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Zunächst dachte ich: Rock your future in Chess. Doch Werbung bezieht sich auf die technischen Studiengänge und ist eine explizite Webung für Texas Instruments.

Ein Roboter spielt Schach und ein Junge beobachtet das Spiel. Jeder Spieler weiß heute, dass Schachprogramme wegen ihrer Rechenkraft besser als Menschen spielen. Deshalb ist das Bild ein Hinweis, wie sich die Schachpädagogik ändern wird. Wir können aus dem Spielverlauf der besten Engines Ideen und Muster identifizieren und im eigenen Spiel anwenden.

 

Idee und Ausführung

Das folgende Endspiel entstand in der Partie Larrondo – Camacho, Cuba 1979. Schwarz am Zug.

Der Bauer auf der 2 Reihe ist eine ernstzunehmende Bedrohung. Wenn beide Läufer nicht auf dem Brett wären, könnte Schwarz mit dem Manöver 1..Th1 2. Txa2 Th2+ gewinnen. In dieser Stellung blockiert der weiße Läufer die 2 Reihe. Deshalb leitet Schwarz einen Abtausch ein, um die 2 Reihe zu befreien.

a1

1…Lb5! Ein zunächst überraschender Zug. Auf dem Feld b5 ist der Läufer vom Turm und vom Läufer angegriffen. Nach 2. Txb5 3. Tb1 kann Weiß die Umwandlung des Bauern a2 nur mit einem Turmopfer verhindern und Schwarz hat entscheidenden Vorteil.

Nach 2.Lxb5 Kb6 Doppelangriff.

a2

3.Ta8 Kxb5 4.Kc2 Th1 Und nun entscheidet das Manöver auf der 2 Reihe.

5.Txa2 Th2+ 6.Kb1 Txa2 7.Kxa2 Kc4

a3

Schwarz erobert den Bauer d4 und erreicht ein gewonnenes Endspiel. 0-1

 

 

Eleganz der Einfachheit

In der Partie Kramnik – Krasenkow, Wijk aan Zee 2003 erreichte Weiß ein vorteilhaftes Endspiel. Lässt sich der Mehrbauer verwerten? Weiß am Zug.

p1

1.g6+ Kh8 2.h6 Nun droht h7 und Schwarz kann sich nicht mit dem Pattmotiv Txd5 retten wegen Txd5 und der Springer kann ziehen.

p2

Ta7  Hofft auf 3. h7 Te7 4. Sxe7 Patt. 3.Se3 gxh6 4.Sf5 Ta5+ Ein ernsthafter Fehler wonach die Partie nicht mehr zu halten ist.

p3

Bessere Chancen auf Remis bot 4…Ta1 5.Sxh6 Kg7 6.Sf5+ Kh8 7.Td4 Te1+ 8.Kf4 Tf1+ 9.Kg4 Tg1+ 10.Kh3 Txg6 11.Th4+ Sh6 12.Sxh6. Das Endspiel Turm und Springer gegen Springer ist zwar theoretisch Remis, aber in der Praxis kann die stärkere Partei noch Gewinnversuche einleiten.

5.Kf4 Ta4+ 6.Kf3 Ta3+ 7.Kg4 Ta4+ 8.Kh5 Ta7 9. Tf8!

p4

 Nun droht 10. Tf7 mit Th7 matt. Tb7 10.Tf7 (In der Partie geschah der schwächere Zug 10. Kh4) 10..Txf7 11.gxf7 Sf6+ 12.Kg6! Und nicht 12. Kxh6 Sd7 13. Se7 Sf8 14. Sg6+ Sxg6 15. Kxg6 Patt.

p5

Sd7 13.Kxh6 Sf8 14.Sh4 Und Schwarz befindet sich im Zugzwang. Sd7 15.Sg6# Die Eleganz der Einfachheit.

p6

1–0

 

 

Freizeitgestaltung: Kombinationen lösen

Ein Gastbeitrag von August Berner (10. Klasse)

Ich löse Kombinationen, weil ich gerne Schach spiele. Auch außerhalb der Schule beschäftige ich mich mit Denkaufgaben und genieße ausserdem das Posaune, Klavier und Schlagzeug spielen. Körperlichen Ausgleich suche ich beim Fechten.

Heute stelle ich Ihnen eine Kombination vor, die die Beseitigung des Verteidigers beinhaltet und das Motiv Spieß.

 

Nach 1. Txb6 ist Schwarz am Zug. Wie kann Schwarz Vorteil erzielen?

d1

1..Txg5 Schwarz gibt die Qualität, um den Verteidiger von e4 loszuwerden.

d2

2. hxg5 Nach der Beseitigung des Springers hat der Läufer freie Bahn für das Feld e4.

3.. Le4+   4. Ke3

d

4.. Lxh1 Schwarz gewinnt einen Turm und erreicht entscheidenden Vorteil.

Auf kleinsten Raum fühl ich mich wohl

Im folgenden Diagramm ist Schwarz am Zug. Wie schätzt Du die Stellung ein?

D1

In diesem Endspiel hat Weiß einen Läufer gegen einen Bauer. Wenn Weiß es schafft, den f Bauer zu neutralisieren und gleichzeitig den eigenen h Bauer zu erhalten, wären seine Gewinnaussichten groß, weil er den „richtigen“ Läufer besitzt. Was ist mit „richtig“ gemeint? Falls ein Endspiel König, Läufer und h-Bauer gegen König entstehen würde, dann gewinnt Weiß, weil sein Läufer das Umwandlungsfeld h8 kontrolliert. Schwarz versucht dieses Endspiel zu meiden und versucht seinerseits den letzten weißen Bauer zu gewinnen. Oder besteht noch eine andere Verteidigungsmöglichkeit? Schwarz hat einen aktiven König und setzt nun seinen f-Bauer in Bewegung.

1..f5 2. Ke5 Dieser Zug verhindert 2..Kh3, weil dann Kxf5 folgt und Weiß gewinnt den f-Bauer und deckt gleichzeitig mit dem Läufer den Bauer auf h2.

D2

2..f4 3. Ke4 Droht Lxf4, daher 3..f3 4.Ke3

D3

Der f-Bauer ist nun blockiert und der eigene h-Bauer gedeckt.

4..h5

D4

Wenn Schwarz nur mit dem Bauer zieht, könnten ihm die Züge ausgehen, denn Weiß hat zahlreiche „Wartezüge“ mit seinem Läufer. Wenn Schwarz h4 und h3 spielt, macht Weiß Wartezüge Lb8 und Lc7. Anschließend gerät Schwarz in Zugzwang und verliert beide Bauern. Aber Schwarz hat noch eine Verteidigung.

5..h4 6 Ld6 Kh3! Schwarz opfert den f3 Bauer.

D6

7. Kxf3 Patt.

D7

Fazit: Schwarz hält das Gleichgewicht trotz materieller Nachteile. In der Endstellung bietet Schwarz ein Baueropfer an, das zum Patt führt. Auf Patt spielen, ist eine wichtige Verteidigungsmethode.

Möglichkeiten wahrnehmen

Die Aussage „Partien werden im Kopf entschieden“ bezieht sich auf die mentale Verfassung eines Spielers, ob er die Partie in einer schwierigen Stellung bereits abgeschrieben hat oder bereit ist, mit Intensität weiter zu kämpfen. In der folgenden Partie zwischen Dekhanov – Yusupov K. 1981 spielte Schwarz 1..Da6 und Weiß gab auf, weil er den Damentausch auf a6 berechnete, wonach Schwarz mit einer Qualität mehr entscheidenden Vorteil besitzt. Ein anderer Damenzug verbietet sich, weil sonst Schwarz Df1 Matt droht.

d1

Wie kann Weiß nach 1..Da6 besser fortsetzen?

d2

Antwort: Auch der schwarze König befindet sich im Bedrängnis und Weiß kann seinen Angriff mit 2 g4+ fortsetzen.

d3

Nach 2..fxg4 3 Sxg4+ sind zwei Varianten möglich A 3..Dxb5 oder B 3..g5

d4

A 3..Dxb5 4. Sf6 Matt

d5

Oder 3..g5 4. De8+

d6

4..Dg6 5. Sf6 Matt.

d7

Fazit: Weiß gab in einer gewonnenen Stellung auf, weil er g4+ und das versteckte Mattmotiv auf f6 nicht gesehen hatte.

Die Absperrung des Turms

In der Partie Ghinda – Majstorovic  Jugoslawien 1973 erreichte der weiße Bauer die siebten Reihe. Wie setzt Weiß am Zug fort? Kann er zusätzliche Ressourcen mobilisieren?

d11. Ld6 Weiß droht die Absperrung des Turms mit Lc5, um den Bauer auf c7 umwandeln zu können. 1..Tc6. Der einzige Zug, um die Absperrung zu vermeiden. Wie kann Weiß seine Stellung verbessern?

d2

Antwort: Weiß setzt die Bauernmehrheit am Damenflügel in Bewegung begünstigt durch die eingeschränkte Mobilität des schwarzen Turms. 2. c4

d3

Nun verbietet sich 2..bxc4 wegen 3. b5 und der angegriffene Turm kann seine Aufgabe auf der c Linie nicht mehr erfüllen. Auch 2..Txc4 ist nicht möglich, weil nach 3. Lc5 der Turm abgesperrt wird und der c Bauer erreicht auf c8 das Umwandlungsfeld. Deshalb bleibt nur noch den König zur Verteidigung einzubeziehen. 2..Kf7 3. cxb5 Tc1+ 4. Kh2 Ke6 5. Lf4

d4

Nun droht Weiß sowohl Lxc1 als auch b6 gefolgt von b7. Nach 5..Tc2 6. b6 Kd7 7. b7 wandelt sich einer der Bauer um und Weiß gewinnt. 1-0

Fazit: Durch die Drohung der Absperrung konnte Weiß seine Bauernmehrheit am Damenflügel in Bewegung setzen. Das Feld c4 spielte in dieser Abwicklung eine entscheidende Rolle. Der Bauer auf b5 und der Turm konnten den Durchbruch c4 nicht verhindern, womit die Mobilität der weißen Bauern am Damenflügel gewährleistet wurde.