Verwertung des positionellen Übergewichts

Thema des heutigen Beitrags ist die Umwandlung des strategischen Vorteils in Materialvorteil.

In der folgenden Stellung aus der Partie Hlousek – Jansa, Luhacovice 1971 ist Schwarz am Zug.

d1

Welche Merkmale kannst Du feststellen? Wie bewertest Du die Stellung?

  • die Stellung ist materiell ausgeglichen
  • Weiß hat vier vereinzelte Bauern, die angegriffen werden können, während Schwarz am Damenflügel eine kompakte Bauernstruktur vorweisen kann
  • die schwarzen Figuren sind aktiver, der Turm auf c5 hat eine Angriffsfunktion und der Springer auf e5 blockiert den Bauer auf e4, der seinerseits die Aktivität des Läufers auf c2 einschränkt

Schwarz ist positionell im Vorteil.

Wie lässt sich dieses positionelle Übergewicht verwerten?

1..Sg6+ 2. Kg4 Erzwungen. Wenn der König auf der dritten Reihe zieht z.B. 2. Kg3 folgt 2..Txc3 und Weiß verliert den Läufer auf c2. Diese Variante offenbart die weißen Probleme auf der dritten Reihe. Deshalb folgt ein Bauernopfer, um die vierte Reihe zu öffnen.

2..f5+

d2

3 exf5 Tc4+

d3

Damit erzwingt Schwarz den Rückzug des weißen Königs auf der dritten Reihe.

4 Kg3 Txc3+

d4

Wenn der weiße König auf der zweiten Reihe zieht, folgt 5..Txc2+ und nach 6..Se5 verbleibt Schwarz mit Materialvorteil. Deshalb folgt 5 Kg4. Aber nach 5..Se5+ kann der weiße König seine Aufgabe nicht mehr erfüllen – die Deckung des Turms auf h3. Deshalb erreicht Schwarz entscheidenden Vorteil 0-1.

d5

Fazit: Schwarz konnte seinen strategischen Vorteil umsetzten, indem er eine präzise Zugfolge wählte. Weiß verteidigte die Schwäche auf c3 mit dem Turm auf der dritten Reihe. Durch die Öffnung der vierten Reihe durch f5 konnte diese Verteidigungsstrategie in Frage gestellt werden. Dazu kam ein zusätzliches Motiv: die Überlastung des Königs, der die Deckung des Turms nicht mehr erfüllen konnte.

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